IEC-Prüffinger (Elektro-Prüffinger)

Dieser Prüffinger soll einem Finger ähnlich sein, deshalb sind die Gelenke beweglich. Wie die einzelnen Teeile aussehen sollen, ist nicht nur in einer Norm, sondern in sehr vielen Normen und sonstigen Vorgaben festgelegt worden.

Es kann Prüffungen geben, bei denen bewusst ein Stromkreis geschlossen werden soll, deshalb haben viele Labornutzer eine Buchse für entsprechende Versuche angebut (nicht an der Spitze).

Ich sehe den prüffinger in erster Linie als Lehrstück bzw. optisches Untersuchungsgerät „komme ich an die Stelle ran oder nicht?“

Denn wenn man an eine spannungsführende Stelle kommt, ist meist derf Prüfling kaputt – was meine Kunden selten möchten. Da genügt oft die Drohung „ich steck diesen Finger rein“ um eine Abdeckung zu bekommen. Dabei ist zu beachten:

Nicht jede hohe Spannung ist tödlich, nicht jede Kleinspannung unkritisch!

Spannungen – ab wann ist es gefährlich?

Der Pratiker mit seinen Erfahrungen im Haushaltsbereich wird schnell antworten „ab 50 V Wechselspannung und ab 75 V Gleichspannung wird es kritisch“. Ja, das kann man so sagen, und zugleich sind das die Spannungsgrenzen der Niederspannungsrichtlinie, d.h. Über diesen Spannungsgrenzen muss die Niederspannungsrichtlinie angewendet werden, darunter nicht.

Die Spannungsgrenzen sind historisch gewachsen, d.h. bei der ersten Ausgabe der Niederspannungsrichtlinie gab es die Überlegung, die bestehenden Telefonnetze, damals in den 70er Jahren noch mit einer Leerlaufspannung von 60 V, nicht in den Anwendungsbereich dieser Richtlinie fallen zu lassen. Wenn Sie heutzutage Telefonanlagenkomponenten sehen, die ein CE-Zeichen tragen, basiert dieses auf der EMV oder der Funkanlagenrichtlinie, möglicherweise auch zusätzlich anzuwendenden anderen Richtlinien wie z.B. RoHS.

Das bedeutet aber nicht, dass man sich nicht mit geringeren Spannungen schwer verletzten kann!

Beispiele für Praktiker:

  • E-Schweißen – theoretisch sind das nur so ca. 60 V, aber wer mal mit nassen Schuhen an einem nassen Werkstück geschweißt hat, hat womöglich durch unzureichende Ausrüstung und Fehlanwendung die Spannung gespürt…
  • Im medischen Bereich müssen Sie davon ausgehen, dass der Patient auf einem leitenden Möbelstück ruht und gleichzeitig mit leitenden Materialien oder gar Messgeräten etc. bearbeitet wird. Da wäre jedes Volt am Körper störend, deshalb gelten in medizinischen Bereichen besondere Anforderungen.
  • In Tierhaltungsbetrieben („Viehställen“) gelten oft extreme Anforderungen. Stellen Sie sich bitte mal die Kuh vor, der Milch abgezapft werden sollen, aber ein Melkbecher weist eine Spannung gegenüber dem Tier auf… da hüpft die Kuh! Nein, probieren Sie es bitte nicht selbst aus; sie werden schon verstanden haben, was ich meine.
  • Statische Aufladungen mit vielen hundert oder tausend Volt, die sich z.B. im Winter zwischen Ihnen und Türklinken aufbauen, sorgen immer wieder für Heiterkeit – können aber manche Elektronik zum endgültigem Ausstand bewegen. Es gab vor Jahrzehnten Anwendungen wie Dimmer, die auf solche Berühungsspannungen reagierten, derzeit ist es aber eher ein unerwünschter und meist ungefährlicher Effekt!